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Ausgabe
28.10.2002
Ergänzung 12.11.2005 Elektrisch
betätigtes Schubumluftventil
Turbomotore arbeiten nach dem Prinzip, angesaugte
Frischluft über einen vom Abgasstrom angetriebenen
Verdichter "aufzuladen" und mit Druck der
Gemischaufbereitung zuzuführen. Durch den höheren
Füllungsgrad mit Frischgasen bei niedrigen
Motordrehzahlen wird schon frühzeitig ein hohes
Drehmoment bereitgestellt.
Trotz aller Freude gibt es gelegentlich "das"
Turboloch zu beklagen. Zum einen ist es die
Anfahrschwäche - zum anderen das Loch nach
vorangegangenem Schubbetrieb.
Die Anfahrschwäche des Turbomotors kann man nicht
leugnen - nur mildern .... das aber ist ein anderes Thema
an anderer Stelle.
Was hat es nun mit dem Turboloch nach Lastwechsel
auf sich ??
Bei hoher Verdichterdrehzahl gibt es immer dann Probleme,
wenn plötzlich Gas weggenommen - also die Drosselklappe
geschlossen wird. Dann entsteht nämlich hinter dem
Verdichter ein großer Staudruck der nicht entweichen
kann da der Weg zum Saugrohr versperrt ist. Durch das
"Aufpumpen" des Laders wird der Gegendruck schließlich so stark, dass der Lader stark abgebremst
wird.
Öffnet man plötzlich wieder die Drosselklappe, fällt
der Druck sofort stark ab - kann aber nicht so schnell
wieder aufgebaut werden, da die Laderdrehzahl
zwischenzeitlich stark gesunken ist. Die Zeitspanne
bis zum Hochdrehen des Turbos ist erkennbar als Turboloch
bei Lastwechsel nach Schubbetrieb.
1. Das pneumatisch betriebene Schubumluftventil
Um im Schubbetrieb das Aufpumpen des Druckes und damit
den Drehzahlabfall des Laders zu verhindern, hat man
einen Bypass per Schlauchverbindung geschaffen, der
über ein Ventil freigeben werden kann.
Dieses Ventil ist ein mechanisch betätigtes
Feder-Membran-Ventil.
Sobald der Motor in den Schubbetrieb geht, wird dieses
Ventil per Unterdruck angesteuert, gibt den Bypass frei
und die Luft entspannt sich ohne nennenswerten Überdruck
in die Ringleitung und stellt sich damit wieder beim
Lader "neu an".
Dadurch
wird der Verdichter auf Drehzahl gehalten und beim
erneuten Beschleunigen steht unmittelbar wieder der volle
Ladedruck zur Verfügung.
Für die Bezeichnungen dieses Ventils findet man
Schubabschaltventil, Schubumluftventil, Umluftventil, ( als besondere
Ausführung auch Pop-Off-Ventil oder Schnarrventil, weil es beim Eingriff
infolge einer Regelschwingung *schnarren* kann.)
Die folgende Skizze zeigt die Anordnung der Elemente beim
1,8 5V 110KW-Turbomotor Typ AEB, wie er in der Golf- u.
Passatklasse sowie im Audi A4 verbaut wird. (Quelle: Volkswagen AG)

Bei den großen Audi-Motoren z.b. 132KW-AJQ, 165KW-APX
oder Bi-Turbomaschine 2,7T wird die Schubumluftsteuerung
sehr präzise
mit Hilfe eines zusätzlichen elektrischen
Hilfsventils (N 249) vorgenommen, welches u.a. von der
Motronic 7.x gezielt angesteuert wird. Die geballte Kraft
der großdimensionierten Turbos und der besondere
Anspruch an präzise Gasannahme rechtfertigen den
Aufwand, der prinzipiell auf folgender Skizze dargestellt
ist.
(Quelle: Audi AG)

Neu ab 2004:
2. Das elektrisch betätigte Schubumluftventil:
Kolbenschmidt-Pieburg hat ein neues elektrisch betätigtes Schubumluftventil in den Turbolader
hineinkonstruiert und somit ein insgesamt mit integriertem Abgaskrümmer hochkomplexes
Bauteil für neue Motorgenerationen geschaffen.

Der Wechsel von der Pneumatik auf die Elektrik hat mehrere Vorteile, da weniger Bauteile benötigt werden und die Kompaktheit steigt: Anfällige Pneumatikleitungen, der Unterdruckspeicher, das Rückschlagventil und das Elektroumschaltventil entfallen. Durch die direkte Ansteuerung ergeben sich bis zu 70% kürzere Schaltzeiten, was bei schnellem Lastwechsel gerade der sportlich ausgelegten Turbomotoren entgegenkommt.
Das das neue elektrisch betätigte Schubumluftventil hatte 2004 seine Serien-Premiere im 2,0L Turbo
FSI-Motor von Audi und dem Golf5 GTI.
3. Die Nachteile des pneumatischen
Schubumluftventils:
Das pneumatische Umluftventil ist ein billiges Teil welches
gelegentlich klemmt oder unpräzise arbeitet - ein Manko
gerade bei den großen Motoren über 110KW.
Wenn es zu spät öffnet, ist die Verdichterdrehzahl im
Schubbetrieb zu stark abgesunken - öffnet es zu früh
oder ist undicht, wird ein Anteil der aufgeladenen Luft
an der Drosselklappe als Verlust vorbei geleitetet.
Daher gilt es in leistungsbewussten Kreisen als
ausgesprochen trendy, dass serienmäßige Ventil gegen
eines aus Alu auszutauschen. Ein Hersteller ist der
britische Motorspezialist "Forge". Das edle
Stück kostet fertig eingebaut über ca.200Euro. Man
spricht dann auch vom Forge-Ventil.

Fazit:
Wie gesagt, Mehrleistung gibt es nicht, bestenfalls
werden Leistungsverluste durch ungenaues Timing des
"Abblasens" ausgeglichen. Der deutliche Sound
beim Gaswechsel und die Gewissheit, dass im
Teillastbereich nachlassende Leistung nicht im
Umluftkreis begründet sein wird, ist für viele ein
Argument.
Ob sich das lohnt und ob es überhaupt für den
jeweiligen Motor technisch zugelassen ist, soll bitte
jeder für sich klären. Immerhin ist zu bedenken, dass bei offenen
Schubumluftventilen (pop-off), die bereits vom LMM erfasste Luftmasse
als Überdruck nach außen abgelassen wird !
Wie auch immer.... ich wollte an dieser
Stelle lediglich Grundverständnis vermitteln.
Ihnen und Euch allen Gute
Fahrt.....
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